Und wir haben doch nur eine Welt

Album: Durch die Nickelbrille gesehen (1989)


In einer Zeit des falschen Fortschritts und des Größenwahns,
Der schlauen Sprüche, des Profits, des Unternehmer-Klans,
Feiern wir ein makabres Fest, das uns zusammenhält,
Fahren wir alle auf dem Floß, das schnell stromabwärts treibt,
Und wir genießen jede Stunde, die uns heut′ noch bleibt.
Was stört uns schon der Wasserfall, der vor uns in die Tiefe fällt!
Und wir haben doch nur eine Welt, nur diese eine Welt.

Wir schänden die Natur, zerstör′n, was sich zerstören lässt,
Und übertönen lautstark ihren stummen Protest.
Zum Tod der Wälder hat sich längst das Meer hinzugesellt,
Und vielleicht wird das Ozonloch morgen etwas größer sein.
Wir spielen mit der Schöpfung, steh′n im Grab mit einem Bein
Und machen munter weiter, als sei ein Ersatzplanet bestellt.
Und wir haben doch nur eine Welt, nur diese eine Welt.

Ihr Mächtigen der Erde macht doch paradoxe Politik:
Ihr redet viel vom Frieden, rüstet aber für den Krieg!
Und ihr baut immer schlimm′re Mordwerkzeuge für sündhaft viel Geld,
Es gibt pro Kopf schon mehr Raketen, Bomben, mehr Sprengstoff als Brot!
Der einz′ge Sieger ist, wenn′s losgeht, ein erbarmungsloser Tod,
Wenn der Erdball wie eine gefall′ne Glaskugel zerschellt.
Und wir haben doch nur eine Welt, nur diese eine Welt.

Wir lassen es uns gut geh′n, schlagen uns die Bäuche voll,
Wir kaufen heute, was der Mensch von morgen kaufen soll,
Wohlwissend, dass in andern Ländern Menschen Hunger quält.
Doch wir schlafen gut – dank unsrer Spende vor dem Weihnachtsfest;
Wir reden von Millionen Menschen wie von einem traurigen Rest,
Ja, in unsrer Arroganz sprechen wir von der Dritten Welt!
Und wir haben doch nur eine Welt, nur diese eine Welt.

In Sachen Weltraumfahrt wird täglich Neues ausgeheckt,
Doch nicht ein einziges Mal wurd′ auch nur eine Spur Leben entdeckt.
Nun, es ist wohl das „Wie-Gott-sein-Woll′n“, das uns daran gefällt,
Doch wir entfernen uns von ihm – mit jedem Lichtjahr ein Stück mehr.
Saturn und Mars, Merkur und Venus sind und bleiben menschenleer.
Diese Erde ist die große Aufgabe, die sich uns stellt!
Denn wir haben doch nur eine Welt, nur diese eine Welt.