Zum Frühlingsanfang

WILLKOMMEN LENZ

Willkommen / Lenz! du Freuden-Wiederbringer /
des Jahres Mann / du Blumen-Vater du /
du der Natur ihr Pinsel und ihr Finger /
mit dem sie mahlt die schöne Erden-Zwinger /
der du zerschmelzt des Winters Eise-Schuh /
willkommen / Lenz! durch den die Erde jünger
und schöner wird / du warmer Kältbezwinger /
du Auen-Freund / du Geber neuer Ruh /
der Flora Buhl / du Leid- und Schnee-Verschlinger!
Nim an die Ehr / die ich dir hier anthu /
du unsrer Lust und Schäferspielbezünger.
Willkommen / Lenz!

SIGMUND VON BIRKEN (1645)

aus: Die deutsche Literatur. Hg. v. Renate Fischetti, Otto F. Best u. Hans-Jürgen Schmitt. Reclam, Stuttgart 1975, Bd. 4. S. 99 f., behutsam modernisiert

Ich habe diesem schönen Gedicht von meinem adligen Namensvetter aus dem 17. Jahrhundert nichts hinzuzufügen. Es passt einfach perfekt zu diesem wunderschönen Frühlingsanfang!

Meine Glücksgeschichte

In seinem neuen Buch „Trittsteine zum Glück“ hat Heinz-Willi Gerards „100 Glücksgeschichten“ gesammelt. Alle Texte handeln von Glücksgefühlen. Jeder auf seine Weise. Gemeinsam ist ihnen, dass es nicht um das ganz große Glück geht, das Ratgeber, Werbung oder Schlager in abgedroschenen Worthülsen verheißen, sondern um scheinbar unbedeutende, oft alltägliche Momente, die wir oft erst im Nachhinein als die wahren Meilensteine unseres Lebens erkennen. Auch ich habe eine ganz persönliche Glücksgeschichte zu dieser schönen Textsammlung, die am vergangenen Samstag im Alten Rathaus in Würselen präsentiert wurde, beitragen dürfen. „Ein bisschen Kelly Family“ heißt meine kleine Erzählung, die – wie könnte es anders sein – natürlich mit Musik zu tun hat. Aber auch mit meiner Familie. Schließlich geht es ja ums Glück …

Das Buch, dessen Erlös dem vom Herausgeber gegründeten Verein „Wertvoll“ zukommt, ist im Spirit Rainbow Verlag erschienen und ist im Buchhandel oder auch bei Amazon erhältlich:

„Trittsteine zum Glück: 100 Glücksgeschichten“ bei Amazon

Das Schicksal trägt Brille – Kunze in Köln

Steht eigentlich irgendwo geschrieben, dass man auf der eigenen Website nur über sich selbst schreiben darf? Nicht dass ich wüsste! Also habe ich mir überlegt, euch hin und wieder von meinen Konzertbesuchen zu berichten. Ich bin nämlich fast so gerne Zuhörer im Saal wie Akteur auf der Bühne. Besonders gerne höre ich mir Bands oder Sängerinnen und Sänger an, die nicht oder noch nicht ganz so bekannt sind und eher in kleineren Locations auftreten. Im letzten Jahr war ich zum Bespiel bei Marcel Brell im „Blue Shell“ oder bei Felix Meyer im „Artheater“ in Köln. Beide waren großartig.

Am vergangenen Donnerstag gastierte Heinz Rudolf Kunze im Palladium. Okay, der zählt nun schon lange nicht mehr zu denen, die noch nicht ganz so bekannt sind. Im Gegenteil: Er zählt zu denen, die völlig zu Recht zu Ikonen deutschsprachiger Musik geworden sind. Das ist – wenn man so will – die zweite Kategorie von Konzertbesuchen, die mich interessiert. Und dann kann ich ziemlich hartnäckig sein, über Jahrzehnte jedes Album kaufen und kaum eine Tour verpassen. Mein erstes HRK-Konzert, das heute vielen als eines seiner besten überhaupt gilt, habe ich vor achtundzwanzig Jahren erlebt. Auf der anderen Straßenseite. Im E-Werk. Da war ich schon lange Fan.

Obwohl Kunze seit damals im Grunde immer auf meinem Radar geblieben ist, hatte ich den Termin diesmal irgendwie nicht auf dem Schirm. Und so wäre ich gewiss auch nicht dabei gewesen, hätte sich mein Kölner Freund Peter, mit dem ich seit der „Draufgänger-Tour“ von 1993 schon manches Kunze-Konzert gemeinsam besucht habe, nicht ein paar Tage vor dem Konzert bei mir gemeldet: Jemand hatte kurzfristig abgesagt und ihm seine Karte überlassen. Schöne Grüße vom Schicksal.

Als wollte Kunze es mit zweiundsechzig Jahren noch einmal richtig krachen lassen, war diesmal alles eine Nummer größer als in den vergangenen Jahren: Palladium statt Gloria, Videoprojektionen auf vier Leinwänden statt „einfachem“ Bühnenlicht und – zusätzlich zu der fünfköpfigen und wie immer hochkarätigen „Verstärkung“ – zwei Background-Sängerinnen. Eine der beiden, Jördis Tielsch, durfte etwa in der Mitte des Programms mit „Bühne deines Lebens“ sogar ein eigenes Lied performen, was ich bei einem Kunze-Konzert auch noch nicht erlebt habe. Dafür gab es reichlich Applaus. Völlig zu Recht, wie ich fand.

Die Bühne dieses Abends gehörte allerdings zweifellos dem Altmeister. Und der war sichtlich gut gelaunt, voller Spielfreude und zog alle Register seines Könnens. Wenn Kunze das Leben auf Tour im Refrain des Openers „Raus auf die Straße“ lapidar mit „Das muss Liebe sein“ kommentiert, dann lieferte das dreistündige Konzert im Palladium dafür einen eindrucksvollen Beweis. Bestimmten zu Beginn die Songs des aktuellen Albums „Schöne Grüße vom Schicksal“ die Setlist, mischten sich im Laufe des Abends immer mehr ältere Nummern und mit „Das Ultimatum“ sogar ein Song vom 1982er Album ins Programm. Insgesamt eine tolle Songauswahl, wobei Kunze für meinen Geschmack allzu sehr auf seine Hits vertraute. Lieder wie „Mit Leib und Seele“, „Meine eigenen Wege“, Leg nicht auf“ oder „Dein ist mein ganzes Herz“ sind sicherlich Meisterwerke und Garanten für viel Applaus, müssen aber nicht immer sämtlich bei jeder Tournee gespielt werden, meine ich. Stattdessen hätte ich mir die eine oder andere Überraschung gewünscht. Verschüttete Perlen gibt es bei inzwischen sechsunddreißig Studioalben ja mehr als genug.

Dafür freute ich mich umso mehr, dass neben der obligatorischen Mitsinghymne „Wenn du nicht wiederkommst“ mit „Der Abend vor dem Morgen danach“ auch ein Song vom 1991er Album „Brille“ gespielt wurde. Und zwar in einer besonders schönen Version mit einem Fiddle-Intro von Jördis Tielsch, die – wie man hörte – nicht nur singen kann. Meine Hoffnung, dass es auch mein Kunze-Favorit „Stirnenfuß“ in die Setlist geschafft haben könnte, erfüllte sich aber leider nicht. Auch wenn mir der Albumtitel bei seinem Erscheinen seinerzeit durchaus einen Schreck eingejagt hatte – ich hatte doch erst zwei Jahre vorher eine Brille für titeltauglich befunden und fand das ziemlich originell –, ist „Brille“ bis heute meine Lieblingsplatte von HRK geblieben. Und außerdem ist Kunzes Wayfarer von einer Nickelbrille ja auch meilenweit entfernt.

Freunde skurriler Texte à la „Stirnenfuß“ durften sich über „Finderlohn“ oder „Schorsch genannt die Schere“ freuen. Daneben kamen sie natürlich bei Kunzes wunderbar bizarren Zwischentexten auf ihre Kosten. Mein Freund Peter, der selbst mit Sprechtexten auf der Bühne steht, meinte dazu, Kunze sei ja eigentlich der Erfinder der Slam-Poetry. Stimmt vermutlich, denn zumindest im deutschsprachigen Raum gab es in den achtziger Jahren noch keine Poetry-Slams. Aber Kunzes Wortkunst gab es da schon auf den Bühnen der Republik. Vielleicht weil er immer schon textliche Einfälle hatte, die das Format des Pop- oder Rocksongs sprengten. Und das will etwas heißen bei einem, der die Grenzen dieser Kunstform wie kaum ein Zweiter ausgelotet hat.

Wahrscheinlich ist es das, was mich immer schon an Heinz Rudolf Kunze fasziniert hat. Diese Kombination aus Lyrik und Rock, Intellekt und Bauchgefühl, Herz und Verstand. Und darin ist er tatsächlich „besser, viel besser als der Rest“. Nicht zuletzt an dem minutenlangen Beifall für das wunderschön arrangierte „Aller Herren Länder“, das heute aktueller scheint denn je, konnte man deutlich spüren, wie sehr er den Nerv der Zeit trifft und seinem Publikum aus der Seele spricht. Für mich immer noch eine Quelle der Inspiration für die Arbeit an meinen Liedern.

Aber ich wollte ja nicht über mich schreiben.

Frohe Weihnachten!

Foto: Christoph Birken (2018)

An einem eiskalten Samstagmorgen Ende November bin ich mit meinen Freunden aus Kindertagen im Hürtgenwald gewandert. Einen Rundwanderweg von Zerkall hinauf nach Bergstein und über eine andere Route wieder zurück. Diese Gegend war nicht nur ein äußerst grausamer Kriegsschauplatz im Zweiten Weltkrieg, sondern auch ein bevorzugtes Wandergebiet Heinrich Bölls, eines der größten Humanisten, die je in deutscher Sprache geschrieben haben. Böll kam gerne nach Bergstein, um in der kleinen Kneipe neben der Kirche ein Bier zu trinken. Wusste einer meiner Freunde verlässlich zu berichten. Der Wirt war nämlich der Vater einer Arbeitskollegin von ihm. Die Kneipe ist heute ein asiatisches Kampfsportstudio. Nichts bleibt. Außer meinen alten Freunden. Die sind immer noch alle da.

Warum erzähle ich das? Weil ich beim Wandern darüber nachgedacht habe, warum Heinrich Böll, der den Krieg und seine Folgen so verabscheut und literarisch zeitlebens mit ihnen gerungen hat, seine letzten Jahre ausgerechnet in dieser Ecke der Eifel verbracht hat. Vielleicht, weil keine Gegend so gottverlassen und dunkel sein kann, dass sie nicht auch wieder zu einem Ort der Menschenfreundlichkeit, des Lichts und der Hoffnung werden könnte. Heinrich Böll und Hoffnung? Ich finde schon. Man muss nur das kleine Gedicht lesen, das er wenige Wochen vor seinem Tod für seine Enkelin Samay geschrieben hat. „Keine Angst“, heißt es da zweimal. Und die Begründung dieser Zuversicht hat nichts mit materieller Absicherung zu tun. Sondern mit einer Geborgenheit, die das ganze Leben umfasst und darüber hinausreicht.

„Keine Angst“. Klingt ein bisschen wie „Fürchtet euch nicht.“


Für Samay

Wir kommen weit her
liebes Kind
und müssen weit gehen
keine Angst
alle sind bei Dir
die vor Dir waren
Deine Mutter, Dein Vater
und alle, die vor ihnen waren
weit, weit zurück
alle sind bei Dir
keine Angst
wir kommen weit her
und müssen weit gehen
liebes Kind

Dein Großvater
8. Mai 1985

aus: Gabriele Hoffmann: Heinrich Böll. Leben und Werk. München 1991, S. 288

In guter Gesellschaft

Als kleinen Vorgeschmack auf das neue Album, das mit großen Schritten auf sein Erscheinen im Mai 2019 zugeht, kann ich euch ein Lyric Video zu meinem Song „Gutmensch“ präsentieren! Welcher Tag könnte dazu besser geeignet sein als der 11. November, der Tag des Martin von Tours? Der war ja nun wirklich ein guter Mensch, ein Gutmensch par excellence. Und das nicht nur, weil er an einem kalten Wintertag am Stadttor von Amiens seinen Mantel mit einem Bettler geteilt hat. Er war zum Beispiel auch der erste Kriegsdienstverweigerer der Geschichte. Vermutlich musste er dafür viel Spott und Hohn einstecken, zumal er es als Offizier der römischen Armee in den Augen der Gesellschaft ja schon weit gebracht hatte. Aber so ist das nun mal bei den Gutmenschen. Sie werden gerne lächerlich gemacht. Unwort des Jahres 2015 hin oder her: Der Begriff wird immer noch als Kampfbegriff und Schimpfwort gebraucht. Besonders von rechten Bösewichten.
Ich finde es toll, dass es in unserem Land so viele Menschen gibt, die wie Sankt Martin an die Ideale von Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe glauben und danach handeln. Und damit tun sie übrigens auch sich selbst etwas Gutes. Wie heißt es so schön in der ersten Strophe des Martinsliedes: „Sankt Martin ritt mit leichtem Mut“. Was für eine schöne Formulierung, was für eine beneidenswerte Lebenshaltung! Da möchte man doch auch Gutmensch sein! Mit leichtem Mut. Und mit Martin ist man da in guter Gesellschaft.

Vielen Dank an Eric und Constantin, die enorm viel Kreativität und Zeit in die Konzeption und Realisierung des Videos gesteckt haben! Ich freue mich über das schöne Ergebnis!

Ein Lied geht aus dem Haus

Auch wenn mir meine Aachen-Hymne mit dem Gewinn des Chartbreaker-Wettbewerbs im Jahr 2006 meinen bislang größten öffentlichen Erfolg beschert hat, staune ich manchmal schon darüber, wie fest sie sich in den karnevalistischen Playlists der Aachener Region etablieren konnte. Obwohl ich das Lied selbst in all den Jahren eigentlich kaum beachtet habe, gab es immer wieder Anfragen, wo es erhältlich sei oder ob man es covern dürfe. Erst vor einem Jahr nahm der Kammerchor des Geilenkirchener Gymnasiums St. Ursula mit „Aix-la-la-Chapelle“ als einem von zwei Titeln am Schulchorwettbewerb des WDR teil und erreichte damit das Finale.
Dass das Lied ganz ohne mein Zutun seinen Weg ging, wurde mir besonders bewusst, als ich es vor einigen Jahren als „Lied über unsere Kaiserstadt Aachen“ bei YouTube entdeckte – ohne Angabe von Titel und Sänger. Und vor allem: ganz ohne Bild. Inzwischen ist diese frühe Demo-Version meines Songs fast 37.000 Mal angeklickt worden.
Wer sich als Neuankömmling in Aachen orientieren und die Stadt kennenlernen möchte, wird in dem wunderbar unkonventionellen Stadtführer „Endlich Aachen!“ (2013) aus dem Freiburger rap-Verlag auf „Aix-la-la-Chapelle“ aufmerksam gemacht. Und es ist tatsächlich das einzige Lied, das unter der Rubrik „Aachen, wie es singt“ vorgestellt wird. Mein Lied sei „beinahe eine Liebeserklärung“, heißt es da. Stimmt! Aber nur beinah, denn es ist eine Liebeserklärung.
Den entscheidenden Schub bekam das Lied aber wohl dadurch, dass der Aachener Karnevalsprinz der Session 2017/18, Thomas III., „Aix-la-la-Chapelle“ im Kölner Studio „Tonbauhütte“ von meinem Freund Simon neu produzieren ließ, es in sein musikalisches Repertoire aufnahm und damit durch die Säle und Straßen zog. Und weil es beim Publikum bestens ankam, wurde auch ein professionelles Video dazu produziert, das auf zwei YouTube-Kanälen zu sehen ist. Allein dieses Video wurde – beide Kanäle zusammengerechnet – bereits knapp 43.000 Mal angesehen.
Aktuell sorgt die vor zwei Jahren gegründete Formation „Tästbild“ dafür, dass die Menschen der Region weiterhin zu „Aix-la-la-Chapelle“ feiern können. Das sympathische Trio hat meinen Song von dem Aachener Produzenten Jochen Baltes ein weiteres Mal neu arrangieren lassen und wird mit seiner neuen Party-Fassung in der bevorstehenden Session bei zahlreichen Auftritten für Stimmung sorgen.
Vielleicht sollte ich das Lied ja auch noch mal spielen …

 

Seitenwechsel

Da ist sie also, meine neue Website! Und dass mein Sohn Constantin sie für mich entworfen, gestaltet und programmiert hat, macht sie für mich natürlich sehr besonders! Manches hat sich im Vergleich zur Vorgänger-Seite geändert: die Domain, das Design, die Struktur und zum Teil auch die Inhalte. Manches ist aber auch bewusst an die alte Seite angelehnt, die mir und meiner Musik so hervorragende Dienste geleistet hat. Ein ganz herzliches Dankeschön geht daher nach Bonn an David Muschiol, der die erste Website – damals noch gemeinsam mit Felix Kett – für mich erstellt und sie dreizehn Jahre lang mit viel Liebe, Sachverstand und Kreativität gepflegt und weiterentwickelt hat. Vielen lieben Dank, David!
Bleibt mir nur zu hoffen, dass die neue Seite genauso gut aufgenommen und genutzt wird. Viel Spaß dabei! Euer Christoph