Simon mischt die Kölner Musikszene auf – Eldorados Debütalbum „Aanjekumme“

Vor ein paar Tagen schickte mir mein Freund und „Begleiter“ Simon über WhatsApp ein paar Fotos aus seinem Studio. Über die vielen bekannten Gesichter, die in der „Tonbauhütte“ ein- und ausgehen, wundere ich mich schon lange nicht mehr. Simon und sein Partner Manuel Sauer machen eben einen richtig guten Job. Aber dass gestern Hans Süper in ihrem Studio in Köln-Holweide war, finde ich dann doch regelrecht sensationell! Süper ist eben nicht irgendein Karnevalist, sondern für mich der Inbegriff des Kölner Karnevals. Schon als Kind habe ich mir die Prunksitzung am Rosenmontag im Fernsehen angeguckt und dabei dem Auftritt des Colonia-Duetts entgegengefiebert. Wenn die beiden dann endlich auftraten, habe ich den Kassettenrekorder auf Aufnahme gestellt und dem Rest der Familie das laute Lachen verboten. Später habe ich die Dialoge dann so oft gehört, bis ich sie auswendig mitsprechen konnte. „Mach noch mal das Colonia-Duett“, hieß es eine Zeit lang auf jeder Party. Und ich ließ mich nicht lange bitten.

Zu solchen Aktionen würde mich meine Begeisterung für Hans Süper heute sicherlich nicht mehr verleiten. Trotzdem habe ich in der langen Zwischenzeit immer aufgehorcht, wenn es etwas Neues von ihm oder über ihn gab. So habe ich mir vor Jahren das von Mike Herting produzierte Album „Musik uss der Kösch“ genauso zugelegt wie die im selben Jahr erschienene Süper-Biografie „Mein Leben mit der Flitsch“ von Helmut Frangenberg. Und jetzt spielt diese Flitsch in Simons Studio. Schon verrückt.

Und plötzlich verstehe ich auch besser, warum Simons neue Band „Eldorado“ heißt. Wenn Köln ein goldenes Land für Künstler und Bands ist oder sein soll, dann liegt das nicht nur an den vergleichsweise traumhaften Vermarktungsmöglichkeiten für Musik, sondern an Menschen, die der Stadt lange vor Cat Ballou und Konsorten eine Sprache, ein Gesicht und vor allem ein Gefühl gegeben haben. Allen voran der heute dreiundachtzigjährige Hans Süper, der die eigentlich stocksteife Büttenrede in eine anarchistische Kunstform aus Text und Musik verwandelt hat.

Das Eldorado der Kölner Musikszene ist seit einem Jahr um eine Entdeckung reicher. Zwar konnte man bereits in der letzten Session einen ersten Blick in die Schatztruhe des Quintetts werfen, doch zeigt erst das Anfang Oktober veröffentlichte Album „Aanjekumme“, welche Songperlen hier auf ihr Publikum warten. Um es gleich vorweg zu sagen: Das Debütalbum hat bereits mehr Nummern, die das Zeug zum Hit haben, als die gesamte Diskografie so manch etablierter Kölner Band. Obwohl die Songs unter großem Zeitdruck geschrieben und aufgenommen wurden, um sie rechtzeitig vor Sessionsbeginn 2019/20 veröffentlichen zu können, hört man jedem einzelnen Lied die Liebe zum Detail an, die ich von Simon seit Langem kenne. Und das gilt insbesondere für die Kompositionen, die Arrangements und den ebenso transparenten wie druckvollen Mix. Die Songs selbst stammen zum großen Teil aus der Feder von Simon und Manuel. Aber auch die anderen Bandmitglieder haben hier und da zu Text und Musik beigetragen. Mit Funky-Marys-Sängerin Andrea Schönenborn, die außerhalb Kölns vor allem durch ihre TV-Moderationen für den WDR bekannt sein dürfte, hatten die fünf Musiker zudem prominente Unterstützung beim Songwriting: Bei zehn von fünfzehn Titeln hat sie textlich und/oder musikalisch mitgemischt. Wie gut, wenn man so eine Freundin hat, mag sich Sänger Manuel Sauer gedacht haben. Dasselbe kann Simon über seine Anica sagen, die Albumcover und CD-Booklet – wie auch die Website der Band – in klassischem Schwarzweiß stilsicher gestaltet hat.

Anders als die – sorry – langsam öffnende Website geht das Album schon mit dem ersten Song „Willkumme“ richtig nach vorne und macht schon einmal klar, wohin die musikalische Reise geht: vom vielfach besungenen „Rhing“ mit dem Cabrio „der Freiheit hingerher“, um dann „Irjendwann“ nach einem vergeblichen Flirt mit dem wunderschönen „Mädche hinger d’r Thek“, etlichen „Leechterloh“ durchgefeierten Nächten und der Erkenntnis, dass es im Leben nicht immer ein Happy End wie in „Hollywood“ gibt, wieder „Noh Hus“ zu kommen, wo die Richtige auf einen wartet, an die keiner „drankütt“. Und im letzten, sehr persönlich wirkenden Song geht die Reise dann schließlich endgültig zu Ende oder – je nach Betrachtung – erst richtig los: „Maach et joot, kumm joot rövver“. Hier wird der Rhein zum Styx, zu dem Fluss also, über den in der griechischen Mythologie der Weg ins Reich der Toten führt. „Aanjekumme“ ist so gesehen ein sehr passend gewählter Albumtitel, dem sich vom ersten bis zum letzten Song immer neue Facetten abgewinnen lassen. Und angekommen sind die fünf Vollblutmusiker nicht zuletzt bei sich selbst, nachdem sie in den Jahren zuvor eher als Dienstleister für ein inzwischen leider arg versteinertes Urgestein des Kölschen Karnevals unterwegs waren.

Foto: Christoph Birken

Dass es heute mehr ist als der potenzielle kommerzielle Erfolg, was die Band zusammenhält, wurde beim Album-Release-Konzert im Club Volta an der Schanzenstraße in Köln-Mülheim mehr als deutlich. Hier konnte man am Vorabend der CD-Veröffentlichung eine Band erleben, die nicht nur aus technisch versierten Einzelkönnern besteht, sondern auch im Zusammenspiel – musikalisch wie menschlich – perfekt harmoniert. Wenn ich mich richtig erinnere, wurden alle fünfzehn Songs des Albums gespielt und von Manuel auf sehr sympathische Art anmoderiert. Als Mittelpunkt der Band überzeugt er nicht nur als Sänger, sondern auch als Typ, was gerade im Kölner Karneval mindestens genauso wichtig ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Frontmännern oder (leider seltener) -frauen wirken seine Posen nicht einstudiert, sein Kölsch nicht mühsam antrainiert, seine Begeisterung nicht gestellt und sein Humor nicht zielgruppentauglich zurechtgemacht. Er ist vielmehr authentisch, echt. Und auch seine Liebeserklärung an Holweide nimmt man ihm ab, auch wenn der Kölner Lokalpatriotismus gerade im Karnevalskontext nicht selten überstrapaziert und instrumentalisiert wird.

Bei aller Liebe zur Musik muss eine Band, die ihr Hauptgeschäft im Karneval verortet, natürlich Kompromisse machen. Neben Songs mit textlicher und musikalischer Tiefe muss es auch solche geben, die in der jecken Zeit schlicht funktionieren, also die Menschen in den Sälen und auf den Straßen zum Feiern bringen und auch mit viel Alkohol im Blut noch inhaltlich und gesanglich nachvollziehbar bleiben. Auch solche Lieder gibt es auf „Aanjekumme“. Zu den lupenreinen Karnevalskandidaten würde ich neben dem bereits aus der letzten Session bekannten „1,2 oder 3 (Kein Ende)“ auch die Songs „Bes die Sonn‘ opjeiht“, „Bütz mich“, „Leechterloh“ und nicht zuletzt das kongenial eingekölschte Versengold-Cover „Verlieb‘ dich nie“ zählen. Bleiben immerhin noch zehn Nummern, die auch außerhalb des Karnevals Gehör und Fans finden dürften. Kurios erscheint in diesem Zusammenhang, dass Höhner-Sänger Henning Krautmacher ausgerechnet bei dem chilligen „Hück es der Daach“ seinen Gastauftritt hat, einem Lied, das ich mir im Karneval allenfalls als Rausschmeißer vorstellen kann.

Eldorado selbst scheinen ihr Repertoire nicht in Schubladen einzuteilen und ähnlich wie etwa Kasalla auf das Konzept „Popmusik einschließlich karnevalskompatibler Hits“ zu setzen. Und das ist natürlich auch gut so, weil es letztlich nur darauf ankommt, ob Musik mit Hingabe, Herz und handwerklicher Perfektion gemacht ist. Und das kann man zweifellos von allen Songs auf „Aanjekumme“ sagen. Bei der letztjährigen „Loss-mer-singe“-Tour ging die Band mit dem Titel „An dich kütt keiner dran“ an den Start, einer eingängigen und berührenden Ballade im Sechsachteltakt, die sich zum Schunkeln genauso eignet wie zum Zurücklehnen und Genießen. Für mich tatsächlich einer der besten Songs des Albums. Und dann ist es auch vollkommen egal, ob man Eldorado in die Abteilung „Kölschrock“ (Wikipedia) oder „Schlager & Volksmusik“ (Media Markt) steckt. (Obwohl letztere Einordnung schon angesichts des imagebildenden Lederjacken-Covers relativ absurd erscheint.)

Never judge a book by the cover. Deshalb zurück zur Musik: Der erste Song heißt den Hörer eindeutig nicht in der Welt des Schlagers willkommen, sondern bedient sich auffälliger Rock-Zitate: Passend zur Strickmütze eröffnet Gitarrist Michael Brettner das Album mit einem „The-Edge-mäßigen“ Riff, auf das der Chorus „Willkumme in unsrem Eldorado“ in seinen vielen Wiederholungen wie ein Mantra aufsattelt. Wenn in der Bridge dann noch Coldplays „Clocks“ den Takt schlagen, weiß man spätestens, dass hier klanglich nicht gekleckert, sondern geklotzt werden soll. Und das ganz im positiven Sinne! Denn was Simon und Manuel an ihren Reglern realisiert haben, klingt weniger nach „Hütte“ als nach „Stadion“ und braucht sich vor keiner international erfolgreichen Produktion zu verstecken. Das ist natürlich auch das Verdienst der einzelnen Musiker, die ausnahmslos hervorragend abgeliefert haben. Ganz besonders trifft das auf Alex Vesper zu, der mit unheimlich präzisem Spiel den nötigen Druck und Drive garantiert und mit oft überraschenden Breaks, Fills und Endings dafür sorgt, dass die Lieder zu keinem Zeitpunkt langweilig oder berechenbar werden. Gott sei Dank klingt auch die Snare noch wie eine Snare und wurde nicht – wie derzeit leider häufig – bis zur Unkenntlichkeit komprimiert.

Zu meinen persönlichen Favoriten gehören die Songs, die im Refrain richtig groß aufmachen: die Köln-Hymne „Irjendwann“, der Mutmacher „Schöne joode Morje“ mit Pink-Floyd-mäßigem Kinderchor und amtlichem Gitarrensolo, das geradlinige, an die frühen Brings erinnernde „Noh Hus“ mit seinem tollen mehrstimmigen Chorgesang und – last but not least – das grandiose „In d’r Rhing“. Für mich das beste Stück des Albums überhaupt. Vielleicht auch deshalb, weil hier das Kunststück gelungen ist, beim Thema Rhein nicht in die textliche Klischeefalle zu tappen. Das ist meines Wissens bisher nur Kasalla („Der Fluss“) und den gerade schon erwähnten Brings gelungen („Et ränt en d’r Rhing“). Was diese gegen den Strich gebürsteten Rhein-Lieder verbindet, ist ihre eher düstere Grundstimmung. Der Rhein kann einen eben auch in den Abgrund reißen, wie schon die Romantiker wussten. So ist es auch in diesem wunderbar „laid back“ gesungenen Eldorado-Song, der den Rhein gewissermaßen auf die Probe stellt: „Fängst du mich op, wenn ich jetzt falle dät?“ Die Antwort – und das finde ich regelrecht genial – gibt nicht der Text selbst, sondern das förmlich abhebende Gitarrensolo am Ende, das bei mir auch live für eine Gänsehaut gesorgt hat. Während der Wunsch zu fliegen sprachlich noch im Konjunktiv daherkommt („als künnt‘ ich fleeje“), übersetzt Brettner das Fliegen in Musik. Und der Rhein wird für eine sichere Landung sorgen. Und ist dann wieder der „Vater Rhein“, der seine Kinder beschützt. Dass sich im Solo Anleihen bei „Little Wing“ und „Sweet Child o‘Mine“ finden, mag Zufall sein. Aber es passt perfekt! Das ist alles richtig gut gemacht. Rheinwasser-Samples inklusive.

Nicht alle Songs erreichen inhaltlich das Niveau von „In d’r Rhing“. Manches bleibt letztlich bekannten Mustern verhaftet, auch wenn die Suche nach originellen sprachlichen Wendungen und Metaphern unüberhörbar ist. Positiv fällt da zum Beispiel das Cabrio-Motiv mit der „ahl Kassett em Radio“ auf, auch wenn man vielleicht darüber streiten kann, ob das Cruisen mit einer Spritschleuder in Zeiten von „Fridays for Future“ noch songtauglich ist. Für starke Bilder im Kopf und im Video sorgt es allemal. Und darum geht es hier.

Auch einer Band, die sich nicht auf Karneval reduzieren lassen will, sind textlich natürlich bestimmte vermarktungsstrategische Grenzen gesetzt. Dass man den Themenkreis Heimat-Liebe-Feiern aber durchaus deutlich erweitern kann, dafür sind Kasalla meiner Ansicht nach das beste Beispiel. Die haben sogar aus der „Poss vum Finanzamp“ einen Song gemacht. Oder sich mit „Fleisch un Bloot“ politisch eingemischt und ein eindrucksvolles Statement gegen Fremdenfeindlichkeit abgegeben. Das wäre heute wohl wichtiger denn je. Thematisch ist bei künftigen Produktionen also noch Luft nach oben. Musikalisch wird es hingegen gar nicht so leicht sein, das vorgelegte hohe Level zu halten.

In jedem Fall kann man Jürgen Hoppe und seinem neu gegründeten Label SpektaColonia, das lustigerweise auch meinen ehemaligen Bandkollegen und Ex-Räuber Torben Klein (z. B. „Mutter Erde“) unter Vertrag genommen hat, zur Verpflichtung von Eldorado nur gratulieren. Beim bisherigen Monopolisten Pavement-Records dürfte man jedenfalls schon Schnappatmung bekommen haben. Ich bin ziemlich sicher, dass Eldorado schon sehr bald aus dem Schatten der großen Namen heraustreten werden. Verdient hätten sie es.

Alles richtig gemacht, Simon!

Vorgestern in der Abbey Road

Foto: Carmen Heitzer-Birken

In der Musikkomödie „Yesterday“, die seit zwei Wochen in den deutschen Kinos zu sehen ist, entwerfen Danny Boyle (Regie) und Richard Curtis (Drehbuch) eine Welt, in der es die Beatles und ihre Musik nie gegeben hat. Zumindest sind sie nach einem weltweiten Stromausfall aus dem kulturellen Gedächtnis der Menschheit getilgt. Nur der bis dato erfolglose Singer-Songwriter Jack Malik kann sich an ihre Lieder erinnern. Von den begeisterten Reaktionen seiner Freunde auf seine Beatles-Cover überrascht und überwältigt, gibt er sie fortan als seine eigenen Songs aus und wird schließlich zum Megastar und als größter Songwriter und Musiker aller Zeiten gefeiert.

Eine originelle Filmidee, die für gute Unterhaltung sorgt und die großartigen Songs der Beatles ganz nebenbei auch einer Generation bekannt machen dürfte, die im unendlichen Angebot der Musik-Streaming-Dienste bevorzugt oder ausschließlich nach aktuellen Hits sucht. Dass die Songs der Beatles da mindestens mithalten können, machen die für den Soundtrack neu eingespielten und von Hauptdarsteller Himesh Patel selbst gesungenen Versionen mehr als deutlich. Gerade der erzählerische Kunstgriff der Trennung der Songs von ihren charismatischen Machern erweist den Kompositionen der Beatles die denkbar größte Ehre: Sie sind nicht abhängig von einem soziokulturellen Phänomen der sechziger Jahre, sondern zeitlos gültig, zeitlos schön. Und werden darum auch in der Gegenwart wieder zu Welthits. Ob das wirklich so wäre, ist eine andere Frage, die der Film aber nicht stellen und schon gar nicht beantworten muss.

Unstrittig aber wäre die Geschichte der Popmusik ohne die Lieder und Arrangements der Beatles eine andere. Dass es in der Welt des Films auch keine Band namens „Oasis“ mehr gibt, wie Jack in einer der besten Szenen durch gezieltes Googeln herausfindet, ist da nur konsequent. Aber vermutlich muss man sich als Songwriter nicht einmal zu den Beatles-Fans zählen, um von ihnen – unmittelbar oder mittelbar – beeinflusst zu sein. Dass Ed Sheeran, der sich im Film selbst spielt und dabei eine große Portion Humor und Selbstironie beweist, ganz ohne die Beatles dieselben Songs geschrieben hätte, darf daher bezweifelt werden …

Das erste Lied, das Jack Malik auf seiner neuen Gitarre anstimmt, ist nicht zufällig das titelgebende „Yesterday. Gestern war eben noch alles anders. Auf YouTube findet sich ein Video der für den Film gemachten Neuaufnahme des wohl bekanntesten Songs der Beatles. Zu Beginn sieht man Darsteller und Sänger Himesh Patel, wie er die von unzähligen Beatles-Pilgern bekritzelte Mauer vor den Abbey-Road-Studios passiert und die Stufen zur wohl berühmtesten Studiotür der Welt hochläuft. Den Gitarrenkoffer in der rechten Hand. Glaubt man den Angaben im Vorspann, singt und spielt er den Song live im Studio, begleitet nur von wenigen Studiomusikern. Großartig!

Vorgestern war ich selbst in der Abbey Road Nummer 3 und habe die Magie dieses legendären Ortes, an dem die Beatles – und neben ihnen auch andere Größen wie Pink Floyd – fast alle ihre Alben aufgenommen haben, auf mich wirken lassen. Und ich habe mich gefragt, an welche Beatles-Songs ich mich erinnern würde, wenn sie – wie im Film – plötzlich aus dem kollektiven Gedächtnis und auch aus meinen Platten- und CD-Regalen verschwunden wären. Ganz schön viele, glaube ich, auch wenn ich mit der Rekonstruktion der Texte wahrscheinlich doch meine Probleme hätte. Wichtiger als einzelne Songs sind mir persönlich aber ohnehin bestimmte Erinnerungen, die mit den Beatles verknüpft sind und so etwas wie Wegweiser für meine eigene musikalische Sozialisation und Entwicklung waren.

Zum Beispiel erinnere ich mich an eine Musikstunde aus meiner Schulzeit. Es muss in der fünften oder sechsten Klasse gewesen sein, als unsere sonst eher klassisch ambitionierte Lehrerin auf die ausgesprochen gute Idee kam, uns „Eleanor Rigby“ und Penny Lane“ vorzuspielen und die Texte und Kompositionen mit uns zu besprechen. Zwar war mir damals bewusst, dass diese Band schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr existierte und daher irgendwie von gestern war, doch sprachen mich diese Songs ungeheuer an. Mit meinem besten Schulfreund, dem es wohl genauso ging, machte ich mich dann in den folgenden Wochen direkt ans Verfassen eigener Songs. Natürlich auf Englisch. Oder was wir dafür hielten.

Die Beatles waren es dann auch, die mich zum Kauf meiner ersten Schallplatte überhaupt animierten. Ich weiß noch, wie ich in den kleinen Plattenladen am oberen Ende der Kaiserstraße ging und nach dem „Roten Album“ fragte. Das war nämlich eine der Platten, die unsere Musiklehrerin aufgelegt hatte. Leider nur ein nach der Trennung der Band von der EMI veröffentlichtes Best-of-Album der frühen Hits (1962-1966) und keine authentische Beatles-Platte. Aber immerhin. Als Einstiegsdroge hat es seine Wirkung nicht verfehlt. Das komplementäre „Blaue Album“ mit den Hits der späteren Phase (1967-1970) habe ich mir merkwürdigerweise nie zugelegt, obwohl mir diese Lieder mindestens ebenso gut gefielen. Wahrscheinlich, weil ich dann doch lieber die Originalalben kennenlernen wollte. Das sogenannte weiße Album („The Beatles“) aus dem Jahr 1968 war dann auch für lange Zeit meine absolute Lieblingsplatte; die darin enthaltenen Porträtfotos der Fab Four hingen selbstverständlich in meinem Zimmer an der Wand. John Lennon war für mich gleich in doppelter Hinsicht ein Vorbild: zuallererst natürlich als Musiker, aber auch – und zunehmend mehr – als moralische Instanz.

Vorgestern in der Abbey Road habe ich mir dann im angegliederten Shop noch ein Album gekauft, das ich bislang nur als Kassette besessen und daher ewig nicht mehr gehört hatte: „Abbey Road“, die letzte Platte der Beatles, die sie als Band gemeinsam einspielten. Und mit „Something“ und „Here Comes the Sun“ sind sicherlich zwei der besten Beatles-Songs überhaupt auf diesem wunderbaren Album vertreten. Beide geschrieben und gesungen von George Harrison.

Wir waren nicht die Einzigen, die sich vor den Abbey-Road-Studios eingefunden hatten. Und schon gar nicht die Einzigen, die einmal über den berühmtesten Zebrastreifen der Welt gehen wollten. Menschen aus allen Ländern kamen und gingen im Minutentakt. Junge und nicht mehr ganz so Junge, Männer und Frauen. Alle mit dem Ziel, das ikonische Cover des 69er-Albums nachzustellen und sich dabei fotografieren zu lassen. Übrigens fast auf den Tag genau fünfzig Jahre nach der Aufnahme des Originalfotos. Manche machten auch ziemlich verrückte Verrenkungen in der Mitte des Zebrastreifens oder verliehen ihrer Verzückung lautstark Ausdruck. Alles zur Feier des Augenblicks. Zur Feier der eignen Begeisterung, der eigenen Erinnerung. Zur Feier der Beatles.

Nur eine junge Mutter fiel aus dem Rahmen. An der einen Hand hielt sie ihre kleine Tochter, an der anderen deren lila-pinkfarbenen Rucksack. Die beiden gingen einfach über den Zebrastreifen, weil sie von der einen auf die andere Seite der Abbey Road wollten. Schnell und auf den Straßenverkehr konzentriert. Als hätte es die Beatles nie gegeben.

Foto: Carmen Heitzer-Birken

„Mutter Erde, atmest du noch?“

Vor drei Jahrzehnten, als ich den Song „Mutter Erde“ geschrieben habe, gab es noch keine „Fridays-for-Future“-Demonstrationen. Es hätte sie aber wohl schon geben müssen, wie wir nicht erst seit Greta Thunberg wissen. „Viel zu lang’ – jetzt drängt die Zeit – hab’n wir nur zugeguckt“, habe ich damals getextet, als ich ungefähr so alt war, wie die Initiatoren der Bewegung heute sind. Ich finde es großartig, dass Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten nicht länger zugucken, sondern selbst aktiv werden, indem sie ihre Stimme für den Klimaschutz in der Öffentlichkeit erheben. Dass sie dafür Netzwerke aufbauen und teilweise lange Wege zurücklegen, um wie heute in Aachen dabei sein zu können, ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass sie – vielleicht im Unterschied zur Generation ihrer Eltern und Lehrer – die wichtigste Lektion schon gelernt haben: Zu den zentralen Erziehungszielen gehören laut Schulgesetz NRW „die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen“ (§2, Absatz 2) sowie „das Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl, die Natur und die Umwelt“ (§2, Absatz 4). Lernziel erreicht, würde ich sagen.

Mutter Erde

Mutter Erde, atmest du noch?
Bleibt dir noch nicht die Luft weg?
Mutter Erde, so antworte doch!
Wir ersticken im Dreck.

Mutter Erde, lass dich grüßen!
Mutter Erde, wir treten dich mit Füßen!

Viel zu lang’ – es tut uns leid –
Hab’n wir dich angespuckt.
Viel zu lang’ – jetzt drängt die Zeit –
Hab’n wir nur zugeguckt.

Mutter Erde, wir treten dich mit Füßen!
Mutter Erde, wir werden dafür büßen!

Fast zu spät seh’n wir jetzt ein: Wir sind nichts ohne dich.
Du brauchst auf uns nicht stolz zu sein,
Doch lass uns nicht im Stich!

Mutter Erde, der Fortschritt ist ein Blinder!
Mutter Erde, wir sind gebrannte Kinder!

Du hast uns immer nur verwöhnt,
Wir sollten dankbar sein.
Hab‘n dich in eitlem Wahn verhöhnt
Und sind jetzt mutterseelenallein!

Mutter Erde, lass dich grüßen!
Mutter Erde, wir treten Dich mit Füßen!

Wir halten uns für klug,
Sind eine wild gewordene Herde,
Zum Überleben nicht schlau genug,
Mutter Erde!

Mutter Erde, wir woll’n dir helfen. Hilf uns!
Mutter Erde, wir woll’n dich retten. Rette uns!

Nach langer Zeit kehr’n wir zurück,
Klopfen an deine Tür.
Verlorene Kinder ohne Glück,
Nimmst du uns auf bei dir?

Zum Frühlingsanfang

WILLKOMMEN LENZ

Willkommen / Lenz! du Freuden-Wiederbringer /
des Jahres Mann / du Blumen-Vater du /
du der Natur ihr Pinsel und ihr Finger /
mit dem sie mahlt die schöne Erden-Zwinger /
der du zerschmelzt des Winters Eise-Schuh /
willkommen / Lenz! durch den die Erde jünger
und schöner wird / du warmer Kältbezwinger /
du Auen-Freund / du Geber neuer Ruh /
der Flora Buhl / du Leid- und Schnee-Verschlinger!
Nim an die Ehr / die ich dir hier anthu /
du unsrer Lust und Schäferspielbezünger.
Willkommen / Lenz!

SIGMUND VON BIRKEN (1645)

aus: Die deutsche Literatur. Hg. v. Renate Fischetti, Otto F. Best u. Hans-Jürgen Schmitt. Reclam, Stuttgart 1975, Bd. 4. S. 99 f., behutsam modernisiert

Ich habe diesem schönen Gedicht von meinem adligen Namensvetter aus dem 17. Jahrhundert nichts hinzuzufügen. Es passt einfach perfekt zu diesem wunderschönen Frühlingsanfang!

Meine Glücksgeschichte

In seinem neuen Buch „Trittsteine zum Glück“ hat Heinz-Willi Gerards „100 Glücksgeschichten“ gesammelt. Alle Texte handeln von Glücksgefühlen. Jeder auf seine Weise. Gemeinsam ist ihnen, dass es nicht um das ganz große Glück geht, das Ratgeber, Werbung oder Schlager in abgedroschenen Worthülsen verheißen, sondern um scheinbar unbedeutende, oft alltägliche Momente, die wir oft erst im Nachhinein als die wahren Meilensteine unseres Lebens erkennen. Auch ich habe eine ganz persönliche Glücksgeschichte zu dieser schönen Textsammlung, die am vergangenen Samstag im Alten Rathaus in Würselen präsentiert wurde, beitragen dürfen. „Ein bisschen Kelly Family“ heißt meine kleine Erzählung, die – wie könnte es anders sein – natürlich mit Musik zu tun hat. Aber auch mit meiner Familie. Schließlich geht es ja ums Glück …

Das Buch, dessen Erlös dem vom Herausgeber gegründeten Verein „Wertvoll“ zukommt, ist im Spirit Rainbow Verlag erschienen und ist im Buchhandel oder auch bei Amazon erhältlich:

„Trittsteine zum Glück: 100 Glücksgeschichten“ bei Amazon

Das Schicksal trägt Brille – Kunze in Köln

Steht eigentlich irgendwo geschrieben, dass man auf der eigenen Website nur über sich selbst schreiben darf? Nicht dass ich wüsste! Also habe ich mir überlegt, euch hin und wieder von meinen Konzertbesuchen zu berichten. Ich bin nämlich fast so gerne Zuhörer im Saal wie Akteur auf der Bühne. Besonders gerne höre ich mir Bands oder Sängerinnen und Sänger an, die nicht oder noch nicht ganz so bekannt sind und eher in kleineren Locations auftreten. Im letzten Jahr war ich zum Bespiel bei Marcel Brell im „Blue Shell“ oder bei Felix Meyer im „Artheater“ in Köln. Beide waren großartig.

Am vergangenen Donnerstag gastierte Heinz Rudolf Kunze im Palladium. Okay, der zählt nun schon lange nicht mehr zu denen, die noch nicht ganz so bekannt sind. Im Gegenteil: Er zählt zu denen, die völlig zu Recht zu Ikonen deutschsprachiger Musik geworden sind. Das ist – wenn man so will – die zweite Kategorie von Konzertbesuchen, die mich interessiert. Und dann kann ich ziemlich hartnäckig sein, über Jahrzehnte jedes Album kaufen und kaum eine Tour verpassen. Mein erstes HRK-Konzert, das heute vielen als eines seiner besten überhaupt gilt, habe ich vor achtundzwanzig Jahren erlebt. Auf der anderen Straßenseite. Im E-Werk. Da war ich schon lange Fan.

Obwohl Kunze seit damals im Grunde immer auf meinem Radar geblieben ist, hatte ich den Termin diesmal irgendwie nicht auf dem Schirm. Und so wäre ich gewiss auch nicht dabei gewesen, hätte sich mein Kölner Freund Peter, mit dem ich seit der „Draufgänger-Tour“ von 1993 schon manches Kunze-Konzert gemeinsam besucht habe, nicht ein paar Tage vor dem Konzert bei mir gemeldet: Jemand hatte kurzfristig abgesagt und ihm seine Karte überlassen. Schöne Grüße vom Schicksal.

Als wollte Kunze es mit zweiundsechzig Jahren noch einmal richtig krachen lassen, war diesmal alles eine Nummer größer als in den vergangenen Jahren: Palladium statt Gloria, Videoprojektionen auf vier Leinwänden statt „einfachem“ Bühnenlicht und – zusätzlich zu der fünfköpfigen und wie immer hochkarätigen „Verstärkung“ – zwei Background-Sängerinnen. Eine der beiden, Jördis Tielsch, durfte etwa in der Mitte des Programms mit „Bühne deines Lebens“ sogar ein eigenes Lied performen, was ich bei einem Kunze-Konzert auch noch nicht erlebt habe. Dafür gab es reichlich Applaus. Völlig zu Recht, wie ich fand.

Die Bühne dieses Abends gehörte allerdings zweifellos dem Altmeister. Und der war sichtlich gut gelaunt, voller Spielfreude und zog alle Register seines Könnens. Wenn Kunze das Leben auf Tour im Refrain des Openers „Raus auf die Straße“ lapidar mit „Das muss Liebe sein“ kommentiert, dann lieferte das dreistündige Konzert im Palladium dafür einen eindrucksvollen Beweis. Bestimmten zu Beginn die Songs des aktuellen Albums „Schöne Grüße vom Schicksal“ die Setlist, mischten sich im Laufe des Abends immer mehr ältere Nummern und mit „Das Ultimatum“ sogar ein Song vom 1982er Album ins Programm. Insgesamt eine tolle Songauswahl, wobei Kunze für meinen Geschmack allzu sehr auf seine Hits vertraute. Lieder wie „Mit Leib und Seele“, „Meine eigenen Wege“, Leg nicht auf“ oder „Dein ist mein ganzes Herz“ sind sicherlich Meisterwerke und Garanten für viel Applaus, müssen aber nicht immer sämtlich bei jeder Tournee gespielt werden, meine ich. Stattdessen hätte ich mir die eine oder andere Überraschung gewünscht. Verschüttete Perlen gibt es bei inzwischen sechsunddreißig Studioalben ja mehr als genug.

Dafür freute ich mich umso mehr, dass neben der obligatorischen Mitsinghymne „Wenn du nicht wiederkommst“ mit „Der Abend vor dem Morgen danach“ auch ein Song vom 1991er Album „Brille“ gespielt wurde. Und zwar in einer besonders schönen Version mit einem Fiddle-Intro von Jördis Tielsch, die – wie man hörte – nicht nur singen kann. Meine Hoffnung, dass es auch mein Kunze-Favorit „Stirnenfuß“ in die Setlist geschafft haben könnte, erfüllte sich aber leider nicht. Auch wenn mir der Albumtitel bei seinem Erscheinen seinerzeit durchaus einen Schreck eingejagt hatte – ich hatte doch erst zwei Jahre vorher eine Brille für titeltauglich befunden und fand das ziemlich originell –, ist „Brille“ bis heute meine Lieblingsplatte von HRK geblieben. Und außerdem ist Kunzes Wayfarer von einer Nickelbrille ja auch meilenweit entfernt.

Freunde skurriler Texte à la „Stirnenfuß“ durften sich über „Finderlohn“ oder „Schorsch genannt die Schere“ freuen. Daneben kamen sie natürlich bei Kunzes wunderbar bizarren Zwischentexten auf ihre Kosten. Mein Freund Peter, der selbst mit Sprechtexten auf der Bühne steht, meinte dazu, Kunze sei ja eigentlich der Erfinder der Slam-Poetry. Stimmt vermutlich, denn zumindest im deutschsprachigen Raum gab es in den achtziger Jahren noch keine Poetry-Slams. Aber Kunzes Wortkunst gab es da schon auf den Bühnen der Republik. Vielleicht weil er immer schon textliche Einfälle hatte, die das Format des Pop- oder Rocksongs sprengten. Und das will etwas heißen bei einem, der die Grenzen dieser Kunstform wie kaum ein Zweiter ausgelotet hat.

Wahrscheinlich ist es das, was mich immer schon an Heinz Rudolf Kunze fasziniert hat. Diese Kombination aus Lyrik und Rock, Intellekt und Bauchgefühl, Herz und Verstand. Und darin ist er tatsächlich „besser, viel besser als der Rest“. Nicht zuletzt an dem minutenlangen Beifall für das wunderschön arrangierte „Aller Herren Länder“, das heute aktueller scheint denn je, konnte man deutlich spüren, wie sehr er den Nerv der Zeit trifft und seinem Publikum aus der Seele spricht. Für mich immer noch eine Quelle der Inspiration für die Arbeit an meinen Liedern.

Aber ich wollte ja nicht über mich schreiben.

Frohe Weihnachten!

Foto: Christoph Birken (2018)

An einem eiskalten Samstagmorgen Ende November bin ich mit meinen Freunden aus Kindertagen im Hürtgenwald gewandert. Einen Rundwanderweg von Zerkall hinauf nach Bergstein und über eine andere Route wieder zurück. Diese Gegend war nicht nur ein äußerst grausamer Kriegsschauplatz im Zweiten Weltkrieg, sondern auch ein bevorzugtes Wandergebiet Heinrich Bölls, eines der größten Humanisten, die je in deutscher Sprache geschrieben haben. Böll kam gerne nach Bergstein, um in der kleinen Kneipe neben der Kirche ein Bier zu trinken. Wusste einer meiner Freunde verlässlich zu berichten. Der Wirt war nämlich der Vater einer Arbeitskollegin von ihm. Die Kneipe ist heute ein asiatisches Kampfsportstudio. Nichts bleibt. Außer meinen alten Freunden. Die sind immer noch alle da.

Warum erzähle ich das? Weil ich beim Wandern darüber nachgedacht habe, warum Heinrich Böll, der den Krieg und seine Folgen so verabscheut und literarisch zeitlebens mit ihnen gerungen hat, seine letzten Jahre ausgerechnet in dieser Ecke der Eifel verbracht hat. Vielleicht, weil keine Gegend so gottverlassen und dunkel sein kann, dass sie nicht auch wieder zu einem Ort der Menschenfreundlichkeit, des Lichts und der Hoffnung werden könnte. Heinrich Böll und Hoffnung? Ich finde schon. Man muss nur das kleine Gedicht lesen, das er wenige Wochen vor seinem Tod für seine Enkelin Samay geschrieben hat. „Keine Angst“, heißt es da zweimal. Und die Begründung dieser Zuversicht hat nichts mit materieller Absicherung zu tun. Sondern mit einer Geborgenheit, die das ganze Leben umfasst und darüber hinausreicht.

„Keine Angst“. Klingt ein bisschen wie „Fürchtet euch nicht.“


Für Samay

Wir kommen weit her
liebes Kind
und müssen weit gehen
keine Angst
alle sind bei Dir
die vor Dir waren
Deine Mutter, Dein Vater
und alle, die vor ihnen waren
weit, weit zurück
alle sind bei Dir
keine Angst
wir kommen weit her
und müssen weit gehen
liebes Kind

Dein Großvater
8. Mai 1985

aus: Gabriele Hoffmann: Heinrich Böll. Leben und Werk. München 1991, S. 288