Was für ein Aufbruch

Album: Endlich! (2020)

Ich habe längst klar Schiff gemacht, den Teddy in den Flur gebracht,
Jetzt nur noch eine kurze Nacht, der Wecker schellt.
Mein Kissen auf den Sitz gelegt, mein Gott, was bin ich aufgeregt,
Als hätte sich die Welt bewegt und ich die Welt.
Und jetzt rauscht der gelbe Fiat in den Urlaub, aus der Stadt,
In den Morgen, der so leer ist und der trotzdem alles hat.
Da ist ein ausgedientes Haus, da gehen Typen rein und raus,
Die seh’n irgendwie anders aus als der Rest.
Wir schleichen ihnen hinterher, die Tür zum Kellerraum geht schwer,
Was hier gespielt wird: Davon mehr! So viel steht fest.
Und der Typ mit der Gitarre imponiert mir ungemein.
Es ist laut und schnell und schrill und ich will ganz genau so sein.

Was für ein Aufbruch!
Was für ein Aufbruch!

Vorm Hörsaal nur ganz kurz geseh’n, bleib’ ich wie angewurzelt steh’n:
„Woll’n wir ’nen Kaffee trinken geh’n?“ – Jetzt ist es raus.
All meinen Mut zusammengerafft, erzählt, gelacht, gestaunt – geschafft!
Gegen die Erdanziehungskraft flieg’ ich nach Haus.
Und ich weiß, dass heute irgendetwas ganz Großes beginnt.
Und ich spring’ in jede Pfütze auf dem Parkdeck wie ein Kind.

Was für ein Aufbruch!
Was für ein Aufbruch!

Du suchst dir noch eine CD, wirkst so entspannt, und doch: Ich seh’,
Es tut jetzt jedes Mal mehr weh. – „Komm, lass uns fahr’n.“
Ich kurv’ um jedes Schlagloch rum, fahr’ über Rot, was gäb’ ich drum,
Nützlich zu sein. War nie so stumm in all den Jahr’n.
Und am Eingang bleibst du noch einmal kurz steh’n und lässt uns Zeit:
„Stell’ dir vor, wenn wir hier rausgeh’n, sind wir zwei nicht nur zu zweit.“

Was für ein Aufbruch!
Was für ein Aufbruch!

Bei meinen Eltern dann und wann, blickt mich mein Vater manchmal an,
Dass ich mir nicht erklären kann, wo er jetzt ist.
Ob er wohl weiß, wie alt ich bin, woher ich komme und wohin
Ich wieder geh’? Kennt er den Sinn? Kennt er die Frist,
Die mir bleibt, ihm noch zu zeigen, was nur angedeutet blieb?
Und ich stehle mich davon in meinen Alltag wie ein Dieb.

Was für ein Aufbruch!
Was für ein Aufbruch!

Die Frist war leider viel zu knapp. Ein Anruf bricht die Hoffnung ab.
Alles vorbei, was er seit Jahren stumm ertrug.
Am Morgen noch an seinem Bett. Wenn ich den Blick verstanden hätt’,
Ich wär’ geblieben bis zum letzten Atemzug.
Und du fährst mit mir zum Krankenhaus und nimmst mich an die Hand
Auf dem endlos langen Flur, barfuß auf glühend heißem Sand.