Dankbar sein

Album: Schritte (2005) / Aus allen Wolken (1994)

Dankbar für die Hoffnung sein,
Für ihre bunten Bilder,
Für ihren zarten Widerschein,
Der die Gesichter milder
Und alle Tränen kostbar macht,
In feuchten Augen leise lacht.
Dankbar für die Hoffnung sein.

Dankbar für die Trauer sein,
Sich ihr ganz überlassen,
Bis daß sie endlich winzig klein
Und gar nicht mehr zu fassen.
Dann siehe, was sich heimlich tut:
Wo sie versank, wächst junger Mut.
Dankbar für die Trauer sein.

Dankbar für die Freunde sein,
Für ihre große Langmut;
Kein Wort, kein Streit, kein Stolz und kein
Zwist, der der Freundschaft Abbruch tut.
Und kein Weg wäre je so weit,
Zu sprengen die Verbundenheit.
Dankbar für die Freunde sein.

Dankbar für die Fremden sein,
Für das, was sie uns schenken,
Für ihr wohltuendes Anderssein,
Sie weiten unser Denken
Und zeigen uns, für Vielfalt blind,
Daß Menschen wie die Blumen sind.
Dankbar für die Fremden sein.

Dankbar für die Freude sein,
Für ihre leichten Flügel.
Sie löst das Urversprechen ein,
Sie löst die festen Zügel,
Die uns das Leben angelegt,
Daß man sich mühsam fortbewegt.
Dankbar für die Freude sein.

Dankbar für die Liebe sein,
Zu allen Kreaturen,
Zu Mensch und Baum, zu Floh und Schwein,
Zu allen Lebensspuren.
Zu Regenbogen, Regenwurm,
Zum Lufthauch also auch zum Sturm.
Dankbar für die Liebe sein.

Dankbar, dankbar, dankbar sein,
Es immer wieder üben.
Der Mensch ist nichts aus sich allein,
Nichts diesseits und nichts drüben.
Und doch siehst du, wohin du siehst,
Nur Eitelkeit auf Erden.
Dankbar, dankbar, dankbar sein,
Versuchen, es zu werden.