Hänschen klein

Album: Schritte (2005)

Ich wusste immer, was ich wollte,
Ich wollte immer, was ich tat.
Ich tat nicht immer, was ich sollte,
Denn da war zu viel guter Rat:
„Es ist doch nur zu deinem Besten,
Du wirst uns einmal dankbar sein.“
Doch ich wollte statt saubrer Westen
Nur Stock und Hut wie Hänschen klein.

Mit lauter hochfliegenden Plänen,
So zog ich los, kindlich und kühn,
ein Grashalm zwischen meinen Zähnen,
und hinter beiden Ohren grün.
Schutzlos im Kopf, barfuß im Herzen,
So trotzte ich jeder Gefahr
Und spürte erst: Da waren Schmerzen,
Als ich längst nicht mehr barfuß war.

Und ich geh’ allein
In die weite Welt hinein.
Und ich such’ nach mir,
einem selt’nen Fabeltier.
Such’ im Himmel, such auf Erden,
Und ich suche Jahr um Jahr,
Um endlich der zu werden,
Der ich schon immer war.

Schon bald musste ich mich entscheiden,
Da war plötzlich ein zweiter Pfad.
Und nahm ich einen von den beiden,
War das ein wie eine Art Verrat
An meinen ungelebten Träumen,
An einer großen Möglichkeit,
An meinem Wunsch, nichts zu versäumen.
Kein Wegweiser half weit und breit.

Und ich geh’ allein
In die weite Welt hinein.
Und ich such’ nach mir,
einem selt’nen Fabeltier.
Such’ im Himmel, such auf Erden,
Und ich suche Jahr um Jahr,
Um endlich der zu werden,
Der ich schon immer war.

Und immer neue Möglichkeiten
Starben dahin im Weitergehn.
Das Leben kennt keine Gezeiten,
Nur Wellen, die sich niemals drehn,
Nur Wege, die sich ständig gabeln.
Und sieh’ nur: Deine Zukunft schreibt
Mit jedem Schritt an neuen Fabeln,
Von denen keine Abschrift bleibt.

Und ich geh’ allein
In die weite Welt hinein.
Und ich such’ nach mir,
einem selt’nen Fabeltier.
Such’ im Himmel, such auf Erden,
Und ich suche Jahr um Jahr,
Um endlich der zu werden,
Der ich schon immer war.

Ich bin schon manchen Weg gegangen
Und bin doch lang noch nicht am Ziel.
Noch muss ich um die Richtung bangen,
Und was ich weiß, ist nur so viel:
Im Angebot an Lebensläufen
Ist einer nur dein Lebenslauf.
Und auch wenn sich die Zweifel häufen,
Ich geb’ die Suche niemals auf.

Und ich geh’ allein
In die weite Welt hinein.
Und ich such’ nach mir,
einem selt’nen Fabeltier.
Such’ im Himmel, such auf Erden,
Und ich suche Jahr um Jahr,
Um endlich der zu werden,
Der ich schon immer war.